Warum Du in RAW fotografieren solltest

Warum Du in RAW fotografieren solltest

RAW sollte die Wahl des Aufnahmeformats für Deine Fotos sein. Dieser Schritt bringt Dich richtig weit voran, wenn es um die Verbesserung Deiner Fotos geht. Warum? Ich zeig Dir ein kurzes Beispiel.

 

in Raw oder JPG fotografieren - Volle Kontrolle über Deine Fotos

 

Du siehst hier ein Foto aus meinem letzten Urlaub in Frankreich. Ich war im Auto als Beifahrer unterwegs und musste die meiste Zeit aus einem fahrenden Auto fotografieren. Mit vielen Kurven, schnell wechselnden Licht- und Straßenverhältnissen. So blieb mir nicht groß Zeit meine Kamera perfekt einzustellen und ich hatte für so manches Motiv nur eine einzige Aufnahmemöglichkeit. Und dann passiert das, was Du oben siehst. Ich hab nur ein Foto von dem interessanten Bau auf dem Felsen – aber zu dunkel (das ist übrigens glaube ich das Gebäude, wo Szenen aus „die purpurnen Flüsse“ gedreht wurden)… Meh.

Hätte ich meine Kamera auf JPG eingestellt gehabt, hätte ich das Foto in die Tonne treten können. Daraus hätte ich nicht mehr groß was rausholen können… Aber da ich in RAW fotografiert hatte, sieht das fertige Bild nun wie oben rechts gezeigt aus. Cool, oder?

Aber fangen wir von vorne an.

Was ist eigentlich RAW?

RAW ist ein Fotoformat, in dem alle Informationen, die von Deinem Kamera-Sensor aufgenommen wurden, komplett abgespeichert werden. Das heißt also im Umkehrschluss, dass wenn Du in JPG aufnimmst, Deinem Bild verschiedene Informationen fehlen. JPG ist ein komprimiertes Bildformat. Es werden von der Kamera Informationen weggeworfen und das Bild, so wie es ist, in einer komprimierten Version abgespeichert. Und daran kannst Du nichts mehr groß ändern. Im RAW-Format dagegen, sind noch jede Menge Informationen zur Belichtung, zur Farbtemperatur usw. vorhanden. Und wenn Du diese Datei nun auf Deinem PC weiter bearbeitest, kannst Du selber entscheiden, was mit all diesen Informationen noch gemacht wird. Im Grunde kannst Du den folgenden Vergleich machen

JPG = Polaroid-Kamera, die Dir das fertige Bild sofort ausspuckt. 

RAW = Kamera mit Farbfilm, und Du bist der Fotograf, der den Film in der Dunkelkammer entwickelt

Du siehst also: Mit der Polaroid-Kamera erzielst Du vielleicht schnelle Ergebnisse und bekommst direkt Dein fertiges Bild in die Hand. Aber Du kannst nichts weiter dran ändern. Wohingegen Du mit einem belichteten Farbfilm in der Dunkelkammer den Aufnahme-Prozess Deiner Bilder nach Deinen Wünschen zu Ende führen kannst. Du hast die Kontrolle darüber, wie das fertig entwickelte Bild anhand der Roh-Daten auf dem Farbfilm aussieht.

 

in Raw oder JPG fotografieren - Kuchen RAW vorher / nachher

Im Detail sieht das wie folgt aus:

 

Kein Qualitätsverlust

Wenn Du nun in Deinem RAW Bild nachträglich Belichtung, Farbtemperatur, Farben, Schärfe usw. änderst, dann hast Du keinen Qualitätsverlust wie bei JPG. Dein Originalbild beinhaltet jede Menge Informationen – Du musst nur in Deinem Bildbearbeitungsprogramm festlegen, wie diese Informationen umgesetzt werden sollen. Bei einem JPG Foto hat Dein Bild nicht mehr diese detaillierten Infos. Du versuchst im Grunde Dein 500 px breites Bild auf 1000 px zu vergrößern. Das Ergebnis sieht ziemlich bescheiden aus, nicht? Und genau deshalb solltest Du mit einem Ausgangsformat arbeiten, dass mehr Informationen beinhaltet, als das Endprodukt –  nicht andersherum. Das klappt sonst nicht.

 

Korrigiere verlustfrei Helligkeit und Weißabgleich

Du kannst also verlustfrei das Aussehen Deines Fotos bearbeiten. OK – Du kannst vielleicht nicht aus einem fast schwarzen oder komplett weißen Foto ein schönes Endergebnis produzieren. Aber Du kannst wie in den hier gezeigten Beispielen leicht die Belichtung oder den Weißabgleich eines Bildes korrigieren. Aus einem JPG bekommst Du nicht so ohne weiteres einen Rot- oder Blaustich raus. Bei RAW muss ich nur leicht an ein paar Reglern drehen und habe ein schönes Endergebnis. Somit wandern bei mir jetzt viel weniger Bilder in der Tonne und ich kann bei kleineren Belichtungsfehlern noch ein tolles Ergebnis rausholen.

 

Rauschreduzierung und nachträgliches Schärfen

Bevor ich mir diese Woche meine Canon 650 D zugelegt habe, habe ich bei meiner alten 450 D häufig Probleme mit dem Rauschverhalten meiner Bilder gehabt (die 650 D ist da schon bedeutend besser). Wenn ich nun Fotos mit der 450 D für z.B. Stock-Fotos verwenden möchte, habe ich häufig ein noch zu starkes Rauschen in meinen Bildern gehabt. Was nun in RAW absolut genial ist: ich kann meine Bilder nachträglich schärfen und das Rauschen bedeutend reduzieren. So kann ich meinen Fotos mit etwas mehr Bildrauschen den letzten Feinschliff verpassen, indem ich die Luminanz hochdrehe und diesen kleinen Schönheitsmangel schnell beheben.

 

Du nimmst keine Änderungen an Deiner Originaldatei vor

Dieser Punkt ist für mich ebenfalls von sehr großer Wichtigkeit. Ich nehme keine Änderungen an meiner Originaldatei vor, die unwiderruflich sind. Stattdessen speichere ich meine Originaldatei mit Informationen ab, wie daraus ein Bild zu entwickeln ist. Ich kann jederzeit zu meinem Original zurückkehren. Bei einem JPG hat man stattdessen bei Änderungen am Bild das Original zerstört. Du müsstest immer daran denken eine Original-Kopie zu behalten.

 

in Raw oder JPG fotografieren - Farbkorrektur RAW vorher / nachher

 

Klingt bisher vielversprechend, oder? Ich möchte Dir aber die dazugehörigen Nachteile auch nicht verschweigen:

Du benötigst mehr Speicherplatz

Klar – wenn Du ein Bild mit mehr Informationen abspeicherst, benötigt es mehr Platz. Ein JPG hat je nachdem unter 10 MB – ein Bild in RAW hat bei mir an die 20 MB.

 

Du musst Deine Bilder nachbearbeiten

Genau wie man früher erst den Film zum Entwickeln geben musste, bzw. Du selber als Fotograf in die Dunkelkammer gegangen bist, musst Du bei RAW Fotos nach dem Fotografieren erst mal Zeit in die Entwicklung Deiner Fotos stecken. Aber hier gibt es Dank Lightroom und Co. einige Möglichkeiten, diesen Arbeitsschritt so effizient wie möglich zu gestalten. Dazu aber mehr ein andermal.

in Raw oder JPG fotografieren - unterbelichtet RAW vorher/nachher

 

Zusammengefasst lohnt sich für Dich jedoch der Schritt von JPG zu RAW. Du überlässt nicht Deiner Kamera die Entscheidung, wie Dein Bild entwickelt werden soll, sondern Du hast nach der Aufnahme die Möglichkeit in Deiner digitalen Dunkelkammer Dein Foto so zu entwickeln, wie Du es willst.

Nimmst Du schon in RAW auf? Wenn nein, was hindert Dich noch daran, bzw. was sind Deine Bedenken?

 

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Comments ( 5 )

  • Hi Nina,

    ich habe dem Artikel kaum noch etwas hinzuzufügen, außer dass du mir ordentlich vorgegriffen hast, so ein Artikel hatte ich auch schon in der Planung :-)))
    Ne im ernst, gut geschrieben, alle Infos drin.

    Ein kleiner Unterschied zwischen beiden Formaten gibt es aber noch: JPG ist standardisiert und kann praktisch auf jedem Gerät gelesen / geöffnet werden. RAW ist ein herstellerabhängiges Format. Jeder Hersteller hat ein eigenes RAW-Format (außer vielleicht Olympus und Leica die den Adobe Standard DNG nutzen). In manchen Bildbetrachtern lassen sich diese nicht so ohne weiteres darstellen und öffnen. Manche User haben sogar Angst, dass die proprietären RAW-Formate in 10 Jahren nicht mehr gelesen werden können.

    Auch zur schnellen Weitergabe ist RAW nicht geeignet. Ich habe im privaten Umfeld festgestellt, dass Freunde Bilder von der letzten Party, dem Zoobesuch oder dem gemeinsamen Urlaub direkt mitnehmen möchten und ich dann sagen muss: „Sorry, 1. könnt ihr die Dateien vielleicht gar nicht öffnen und zweitens wärt ihr ziemlich enttäuscht von den Bildern, denn die müssen erst entwickelt werden.“

    Trotzdem geht natürlich kein Weg an RAW vorbei.

    Gruß
    marv

    • Nina

      Hi Marv,

      eine gute Ergänzung von Dir zu meinem Artikel. Gerade der Punkt, dass man die Fotos eben nicht mal schnell weitergeben kann, schreckt denke ich viele ab. Zu dem Problem mit proprietären Bildformaten kann man denke ich auch einen kompletten Artikel verfassen. Sind wir gespannt, wie sich die Fotografie über die nächsten Jahre weiterentwickelt 🙂

      Viele Grüße
      Nina

  • Hallo Nina,
    ich kann dir beipflichten, RAW ist das digitale Negativ. Warum ich dennoch wenig mit RAW mache liegt daran, dass viele meine Kameras mit Schwarzweißfilmen bestückt sind. Die brauchen dann kein Lightroom, sondern noch echten Darkroom.
    Allein, wenn ich doch mal digital arbeite, bevorzuge ich auch RAW.

    • Nina

      Hallo Dieter,
      das ist ja mal cool :-). Ich habe auch noch mehrere analoge Kameras hier liegen. Gerade erst ist auch eine Bronica dazu gekommen. Ich muss demnächst mal Fotos damit planen, denn die analogen Wurzeln sollte man denke ich auch nie vergessen.

  • Patrick Schilf

    Hallo Nina,

    dein Schlusssatz bringt es auf den Punkt, ebenso deine Definition von JPEG und RAW: mit RAW behält man bis zum Ende die Kontrolle über seine Bilder (man könnte auch sagen, JPEG = Du gibts deinen Film zur Entwicklung ins Fotolabor, RAW = du entwickelst ihn selber).

    Daüber hinaus entsteht jedoch ein wenig der Eindruck, RAW hilft, eine vermurkste Aufnahme zu retten. RAW enthält keine vielfältigeren Informationen (Fartemperatur steht da nicht drin, die legst du selbst fest, in z.B. Lightroom), sondern andere und in größerer Fülle. Grundsätzlich kann man auch ein JPEG nachbearbeiten, die Grenzen bei RAW sind jedoch dehnbarer.

    Nicht ganz verstanden habe ich deine Erklärung zur Rauschreduzierung? Nachträgliches Aufhellen eines Bildes erhöht doch eigentlich das Bildrauschen, anstatt es zu verringern? Sowohl bei RAW, als auch JPEG.
    Und kann ich ein JPEG nicht ebenfalls in Lightroom bearbeiten, ohne die Originaldatei zu verändern?

    Viele Grüße,
    Patrick

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